Nach der Diagnose Endometriose in 2016 und insgesamt 3 OPs im selben Jahr (Endo tiefinfiltrierend; große Endosanierung mit vorübergehendem künstlichem Darmausgang, Entfernung von Endo im kleinen Becken, am Darm, am Zwerchfell, Entfernung einer großen Endozyste und eines Eileiters) entschied ich mich gegen die von den Ärzten empfohlene Therapie mit Hormonen. Hormone kamen für mich nicht infrage, da ich jahrelang unter den Nebenwirkungen des Nuvarings gelitten hatte und sowieso KiWu bestand. Außerdem hatte ich von Frauen gehört, die trotz Hormonen weiterhin Probleme mit der Endo hatten und es somit sowieso keine Garantie gibt, dass die Hormone die Endo in Schach halten. Ich hoffte also darauf, dass ich auf natürlichem Wege schnell schwanger werden würde. Gleichzeitig krempelte ich mein Leben um, da ich überzeugt war und immer noch bin, dass die Endo mir ein seelisches Ungleichgewicht aufzeigt, dass ich ein Leben lebe, für das ich mich verbiege:
Ich brachte also quasi mein Leben für meine Seele in Ordnung. Konkret war das bei mir:
Meine Veränderungen im Leben:
Umzug zurück in die Heimat und Arbeitgeberwechsel. Von gutbezahltem unbefristetem Vollzeitjob in der Industrie zu einer auf 7 Monaten befristeten 50% Stelle am Landratsamt. Viele würden sagen, das ist total leichtsinnig und unsicher, aber für mich war es genau richtig. Außerdem habe ich mich von ein paar sogenannten Freunden getrennt, dir mir einfach nicht gut getan haben.
Ich war auf Reha in Bad Waldsee, was mir unheimlich gut getan hat und mir gezeigt hat, dass ich der Erkrankung nicht machtlos ausgeliefert bin, sondern dass es die verschiedensten Möglichkeiten gibt mit der Endo umzugehen.
Meine Lebenseinstellung:
Ich glaube daran, dass immer alles so kommt, wie es kommen soll und dass alles was passiert, seinen Grund hat. Ich versuche in etwas Negativem immer das Positive zu sehen, denn Alles hat auch immer eine gute Seite. Oft stellt sich einige Zeit später heraus, dass zunächst negative Schicksalsschläge eine positive Wendung im Leben bewirkt haben. Diese Erfahrung habe ich die letzten Jahre immer wieder gemacht.
Seit den OPs versuche ich darauf zu achten, dass ich nur Dinge tue auf die ich auch Lust habe und mich nicht für irgendwen zu verbiegen. Ich versuche im Hier und Jetzt zu leben und mich über Kleinigkeiten zu freuen, achtsam zu sein und bin jeden Tag dankbar für das, was ich habe und wenn es mir gut geht.
Ich bin überzeugt davon, dass die Endometriose und vor allem ihr Schmerzlevel uns zeigt, dass wir seelisch nicht im Gleichgewicht sind. Ich sehe sie nicht als Gegner, sondern als Hilferuf meines Körpers etwas in oder an meinem Leben zu ändern. Oft fühlt man sich zum Beispiel gar nicht konkret gestresst in einer Lebenssituation und merkt erst hinterher, dass es doch stressig war (so geht es mir jedenfalls). Wir müssen schaun, dass wir seelisch im Gleichgewicht sind, was oft genug nicht funktioniert, ich weiß, aber wir können jeden Tag daran arbeiten gut für uns zu sorgen. Hilfsmittel sind zum Beispiel Yoga, Meditation, im Wald spazieren gehen, Ernährung, Massagen usw. für jeden eben etwas anderes. Das gilt es herauszufinden. Auch das ist nicht leicht. Ich selbst gehe regelmäßig zur Osteopathin (ca. 3-4 x im Jahr), gehe meinem Hobby dem Reiten wieder regelmäßig nach, habe Yoga für mich entdeckt, bin einfach regelmäßig im Wald…Für mich ist auch wichtig vor allem Mittags ausreichend, am Besten warm, zu essen, um mich gut und ausgeglichen zu fühlen.
Und manchen helfen eben auch Hormone, aber sie sind kein Allheilmittel gegen Endo. Und Ärzte (auch die Guten) sind nicht allwissend. Letztendlich müssen wir selbst für unseren Körper Verantwortung übernehmen und entscheiden welchen Weg wir gehen. Risiko besteht auf allen Wegen und der Weg kann sich auch ändern.
Mein Leben heute:
5 Jahre ist die Diagnose Endometriose nun her. 5 Jahre, in denen ich meine Periode nun regelmäßig und weitestgehend schmerzfrei bekommen habe. 5 Jahre mit einer deutlich höheren Lebensqualität als ich sie vorher hatte. Das Thema KiWu haben mein Mann und ich ohne Druck (ich weiß, dass ist nicht leicht) einfach laufen lassen. Eine reguläre KiWu-Behandlung lehnte ich aufgrund der (meist) notwendigen hormonellen Stimulation immer ab. Entweder es passiert oder es soll für uns nicht sein, so war unsere Einstellung. Tja und dann ist es passiert J wenn auch nicht so schnell wie erhofft. Mit nur einem Eileiter und entgegen aller Vorhersagen der Ärzte. Im Herbst 2019 wurde ich, einfach so, schwanger und habe eine gesunde Tochter ohne Komplikationen auf natürlichem Weg entbunden (trotz meiner vielen Endonarben auf und im Bauch).
Was ich noch loswerden wollte…
Wenn ich davon schreibe, dass in meinen Augen die Endo ein Hilferuf meines Körpers ist, geht es mir nicht darum Schuld zu suchen oder festzustellen, dass ich selbst Schuld bin, dass ich Endometriose habe, sondern darum, zu akzeptieren und fest zu stellen, dass ich nicht ohnmächtig allem ausgeliefert bin, sondern selbst aktiv etwas tun kann, um meine Situation zu verbessern. Auch eine Änderung meiner Einstellung zu der Erkrankung kann ja schon helfen.
Und wenn ich davon schreibe, dass sich der Weg auch ändern kann, dann meine ich damit, dass ich sehr froh bin, dass ich mich getraut habe gegen den Rat der Ärzte auf eine hormonelle Therapie zu verzichten. Ich werde diesen Weg auch definitiv weiter gehen, solange es mir gut damit geht. Ich schließe aber auch nicht aus, dass sich mein Weg irgendwann ändern könnte und ich neu entscheiden muss, was mir gut tut, vielleicht sind es dann die Hormone…auch wenn ich hoffe, dass dieser Fall nie eintritt.
Bei der Behandlung von Endo gibt es nicht den einen richtigen Weg. Ich denke als Endofrau muss man mit Bedacht alle Vor- und Nachteile abwägen, die eine Behandlung mit oder ohne Hormone mit sich bringen kann und den Weg gehen, bei dem Frau (nicht der Arzt!) sich am wohlsten fühlt. Schließlich muss Frau mit den Folgen dann leben.
